Page tree
Skip to end of metadata
Go to start of metadata

Beim Erzeugen von Buchstaben, also wirklich dem Handwerklichen am Schreiben, sind zwei Tendenzen zu beobachten (ohne dass ich diese hier empirisch belegen kann):

  • Die Fähigkeit, mit Papier und Stift über einen längeren Zeitraum zu schreiben, nimmt ab. Zunehmend beklagen Studierende die Anstrengung, wenn sie bspw. längere Klausuren mit der Hand schreiben müssen.
  • 10-Finger-Schreiben auf einer Tastatur ist nicht die Regel. Studierende berichten überwiegend, dass sie "irgendwie" tippen und dass es schon funktioniere…

(blue star) Beispiel: Wenn Sie eine komplexe Handlung neu erlernen – wie bspw. das Autofahren –, sind Sie in den ersten Fahrstunden ausreichend damit beschäftigt, den Motor beim Anfahren nicht absaufen zu lassen oder zu schalten. Irgendwann brauchen Sie darüber aber nicht mehr nachzudenken. Die Hand-Fuß-Koordination ist eingeübt – automatisiert.

Automatisierung ist der kognitive Trick, mit dem wir es schaffen, unser kognitives System zu erweitern. Dies klappt auch in anderen Bereichen, so auch im sprachlichen und auf Textebene. Alltagssprachlich nennen wir das Routine. Die Leichtigkeit und Flüssigkeit, mit der Buchstaben produziert werden können, hat nachgewiesenermaßen Einfluss auf die Textqualität. Dies liegt an der Begrenzung unserer kognitiven Kapazität: Je mehr Aufmerksamkeit in die Erzeugung von Buchstaben fließen muss, desto weniger kognitive Kapazität steht für die Bewältigung anderer Aufgaben zur Verfügung.

Wie bei jeder handwerklichen Tätigkeit ist Übung der Grundstein zum Erfolg:

  • Wer eine längere Klausur zu schreiben hat, könnte sich auf diese u. a. auch dahingehend vorbereiten, Notizen handschriftlich anzufertigen, um das Handschreiben zu trainieren. 
  • Wer seine Tastaturkompetenz verbessern bzw. aufbauen möchte, kann auf dies bspw. mit online Übungsprogrammen tun. Hier stehen verschiedene zur Auswahl. Es gilt: Üben, üben, üben. Regelmäßig. Über einen längeren Zeitraum (mind. zwei Monate!). Gerade wenn man schon mehrere Jahre ein eigenes System verwendet hat, ist es anstrengend, dieses automatisierte Muster aufzubrechen. Aber: Es gelingt. Und: Die Mühe lohnt sich!

Beim Tasten-Schreiben gibt es nur zwei Regeln:

  1. Nie auf die Tastatur schauen! Die Finger sollen "lernen", die Tasten zu finden. Auf der Tastatur gibt es auf dem F und dem J eine kleine Erhebung. Diese dienen den Zeigefingern als Anker.
  2. Rhythmus und Korrektheit gehen vor Schnelligkeit! Gleichmäßig eine Taste nach der anderen anzuschlagen, erzeugt ein Einschleifen der Mechanik.

Es gibt verschiedene Programme zum 10-Finger-Tippen-Lernen

  • tipp10 (externer Link): schlicht.
    Vorteile: kostenfrei; als online-Version und als Softwareversion für Windows, Mac, Linux.
    Nachteil: Wenig bis keine Erklärungen zur Handhaltung.
  • TippLift von TippenAkademie (externer Link): ausführliche Beschreibungen, moderat animiert.
    Vorteil: in der Grundform kostenfrei. Zeitdauer und Anzahl der zu tippenden Zeichen können selbst festgelegt werden. Es gibt Statistiken und Fehleranalysen. Deutscher Entwickler, personenbezogene Daten werden datenschutzkonform verarbeitet. Dies gilt besonders für die kostenfreie Registrierung. Diese ist notwendig, um Statistiken über seinen Übungsfortschritt zu erhalten. Es gibt einen ausführlichen, schriftlichen "Leitfaden", der auch die Dauer berücksichtigt, bis man zum Erfolg kommt…
    Nachteil: Übungspläne und Werbefreiheit gibt es nur in der kostenpflichtigen Pro-Version. 
  • typingclub (externer Link): animiert.
    Vorteile: in der Grundform kostenfrei. Spracheinstellung (Deutsch, Englisch), mit einer videobasierten knappen Einführung. Spielerischer Zugang.
    Nachteil: In der kostenfreien Version wird nach Abschluss einer Lektion Werbung eingeblendet, die den "Weiter"-Knopf überdeckt. Man wird häufig zum kostenpflichtigen Upgrade aufgefordert; einige Bereiche sind in der kostenfreien Version nicht zugänglich; amerikanischer Hersteller, d. h. die Datenschutzgesetze der EU greifen nicht.

(blue star) Unsere Empfehlung: Wer schon weiß, wie die Finger beim Tippen auf der Tastatur zu liegen haben, ist mit Tipp10 gut bedient. Wer Erklärungen braucht und etwas mehr Wert auf eine nette Schreibumgebung legt, sollte TippLift nutzen.

QUELLEN

Breuer, Esther. (2015). First Language versus Foreign Language. Fluency, Errors and Revision Processes in Foreign Language Academic Writing (Textproduktion und Medium, Vol. 14). Frankfurt/Main u.a.: Lang.


(info) Zitiervorschlag für diese Wiki-Seite

Knorr, Dagmar (2020): Buchstaben erzeugen: handschriftlich und/oder per Tastatur?. Wiki "Schreiben im Studium | Academic Writing". Leuphana Universität Lüneburg, Schreibzentrum / Writing Center. <https://lehrwiki.leuphana.de/pages/viewpage.action?pageId=76021878>

  • No labels